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Ampel oder Tunnel - diskutiert von Betram Polten

Jena Winzerla. Ampel rot
Jena Winzerla. Ampel rot

Jena Winzerla. Ich wohne seit fast 40 Jahren in Winzerla und habe manche spektakuläre Entwicklung im Wohngebiet erlebt. Dazu gehören der Ausbau der Rudolstädter und Lobedaer Strasse und der zweigleisige Ausbau der Straßenbahn nach Winzerla, auf die ich mich im Rahmen dieser Diskussion – mit einer kleinen Ausnahme – beschränken werde. Ich möchte meine persönliche Meinung zum Thema wiedergeben, die sich ausschließlich daran orientiert, was ich für realistisch empfinde. Auch möchte ich mich nicht an Auseinandersetzungen beteiligen, die schon zum Teil ideologischen Charakter annehmen und richtig bösartig werden, nachzulesen auf www.winzerla.com. Da ich an der Diskussionsrunde am 11. März in der Planungswerkstatt leider nicht teilnehmen konnte, will ich mich an dieser Stelle äußern und hoffe natürlich, dass sich noch viele Bürger dieser Meinung anschließen können.

Die Situation:
Die Rudolstädter Straße ist von der Einmündung der Winzerlaer Straße bis zur Abzweigung der Lobedaer Straße auf ca. 350 m vierspurig ausgebaut und hat bis auf die späten Abend- und Nachtstunden durchgängig eine hohe Verkehrsdichte. Sofern es die Situation zulässt, wird mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gefahren.

An der Ampelanlage zur Rudolstädter-/Winzerlaer Str./Ringwiese bildet sich zu Spitzenzeiten Rückstau, wobei der in Richtung Beutenberg mitunter bis zur Bus-/Straßen-bahnhaltestelle zurück reicht. Stadtauswärts wurde an der Bushaltestelle eine Ampel installiert, die bei Bedarf den fließenden Verkehr stoppt, um die Ausfahrt der ÖPV-Busse zu ermöglichen.

Aus der Lobedaer Sraße kommen die Fahrzeuge tangential auf die Rudolstädter Straße und haben erst relativ spät Einsicht in die Bushaltestelle.
Im Bereich der Haltestellen überqueren Fußgänger die vier Fahrspuren, obwohl sie gefahrlos eine Unterführung nutzen können. Warum ? Um Zeit zu sparen weil die Zuwegung auf der Seite Damaschkeweg zu weitläufig angelegt ist ? Mitunter müssen aber diese Fußgänger bei hohem Verkehrsaufkommen so lange auf eine Lücke warten, dass sie in dieser Zeit auch die Unterführung hätten benutzen können. Ist es Faulheit ? Ich weiß es nicht. Ist diesen Fußgängern schon einmal in den Sinn gekommen, dass sie nicht nur sich, sondern auch den Autofahrer gefährden, der sich im Fall eines Unfalls eventuell lebenslang Vorwürfe machen muß. Ich benutze täglich diesen Straßenabschnitt, sowohl mit dem PKW, als auch zu Fuß auf dem Weg in den nahen Supermarkt. Man erlebt erschreckende Verhaltensweisen einzelner Bürger. Da überqueren Gehbehinderte die Fahrbahnen mit einem Rollator, sie kommen nur langsam voran und schimpfen über die Autos, die sie anhupen. Mütter mit Kinderwagen und einem Kind an der Hand überqueren die Fahrbahn.

Dieser Tage habe ich einen riesigen Schreck bekommen. Wollten doch unmittelbar vor einem stadtauswärts haltenden Bus zwei Personen die Fahrbahn betreten, genau in dem Moment, in dem ich an dem Bus vorbeifuhr. Für mich auch unverständlich, dass der Busfahrer die beiden nicht auf ihr fahrlässiges Verhalten aufmerksam gemacht hat.

Meine Schlussfolgerung:
Für diese Ignoranten soll nun auf einer stark befahrenen vierspurigen Straße von 350 m Länge eine ampelgeregelte Überquerung ermöglicht werden, obwohl ein bequem erreichbarer sicherer Fußgängertunnel vorhanden ist. Unabhängig davon, wie dann die Busausfahrt an der stadtauswärtigen Haltestelle integriert wird.

Begründet soll das offensichtlich mit einer „ … neue(n) verkehrspolitische(n) Sicht-weise, den Fußgänger als gleichwertigen Verkehrsteilnehmer zu sehen … „. Man muss sich auch noch mal die von den Verkehrsplanern genannten Schaltintervalle anschauen. Fußgänger warten 73 Sekunden auf Grün. Da werden etliche die Geduld verlieren und trotz Rot starten, besonders in den Abendstunden.

37 Sekunden soll die Wartezeit für die Autos betragen und der dadurch verursachte Rückstau soll max. 70 m betragen. Die Fahrzeuge werden sich in der Tangentenfahrbahn stadteinwärts stauen und die Einordnung auf der Rudolstädter Straße erzwingen wollen, so wie das jetzt bereits geschieht. 37 Sekunden Wartezeit gelten aber nur für die Pool-Position. Bereits einige Fahrzeuge weiter hinten in der Startaufstellung verdoppelt sich das. An unseren Ampeln starten die Fahrzeugführer nämlich nicht wie bei der Formel 1.

Fahrzeuge, die vom Lidl-Parkplatz kommend auf die Rudolstädter Straße nach links auffahren wollen, werden oftmals wegen des Rückstaus an der geplanten Fußgängerampel keine Chance haben. Hier schaffen es jetzt schon nur wenige Fahrzeuge.

Vorschlag:
Es bleibt beim Fußgängertunnel als sicherste Variante. Die Zuwegung auf beiden Seiten könnte verkürzt werden. Auf beiden Seiten werden außerhalb des unmittelbaren Haltestellenbereiches an den Straßenrändern Absperrungen angebracht.

Ich hatte eingangs erwähnt, ich wolle noch auf ein Problem hinweisen, dass uns die Fachleute der Verkehrsplanung beschert haben: Als sich einige Bürger über den quasi über Nacht erfolgten Abbau der Fußgängerampel in der Oßmaritzer Straße wunderten, wurden sie damit beruhigt, dass man dafür die 30er Zone erweitere. So wie diese Erweiterung aber erfolgte, lässt mich an der Kompetenz des Planungsstabes zweifeln. 90% der Fahrzeugführer, die aus Richtung Oßmaritzer Straße auf die Kreuzung Rudolstädter Straße zufahren, ignorieren den Friedensweg. Mehrfach am Tag lässt sich hier beobachten, dass das Nichtbeachten der Regel Rechts-vor-Links gefährliche Situationen herauf beschwört. Fahrzeuge, die aus dem Friedensweg auf die Oßmaritzer Straße auffahren wollen und vorfahrtsberechtigt sind, konnten mehrfach nur unter Verzicht darauf einem Unfall entgehen. Auch die Rechts-vor-Links Regelung an der Einmündung der Hugo-Schrade-Straße ist realitätsfremd.

Haben sich die verantwortlichen Verkehrsplaner die Situation eigentlich jemals vor Ort angeschaut ? Sinnvoller wäre nach Meinung vieler Winzerlaer der Beginn der 30er Zone nach der Einmündung der Hugo-Schrade-Straße und des Friedensweges.

Autor: Betram Polten

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