Ergebnisse der Safari-Woche mit gruppeF
Jena Winzerla. Vom zweiten bis zum fünften Mai lief die erste Planungswerkstatt des Quartiersentwicklungsprojektes in Winzerla-Nord unter dem Motto „Safari“. In dieser Zeit waren wir vom Planungsbüro „gruppe F Landschaftsarchitekten“ mit sechs Personen vor Ort, um den Stadtteil und seine Bewohner kennenzulernen. Vielleicht haben Sie uns in unserem Safarizelt an der Haltestelle Damaschkeweg besucht? Oder haben wir Sie bei einem Bürgersteiggespräch interviewt? Vielleicht waren Sie auch einer der Teilnehmer beim Spaziergang mit Rollator und Brillen zur Simulation von Sehbehinderungen beim Thema Barrierefreiheit? Insgesamt haben wir über elf Stunden Interviews mit
Bewohnern geführt und in vielen Aktionen die Besonderheiten von Winzerla-Nord erfasst. So gab es u. a. eine Malaktion mit den Kindern der Kita „Pusteblume“, Fotoaktionen mit den Jugendlichen vom Freizeitladen, einen Spaziergang zu den Aufenthaltsqualitäten der Freiräume im Stadtteil und eine Nachtwanderung zur nächtlichen Sicherheit. Bei verschiedenen Gesprächsrunden in unserem Zelt hatten wir zum Beispiel die Vertreter der Grundstücks- und Gebäudeeigentümer, den Kobb Mario Bergner und die Streetworker und Sozialarbeiterin Karin, Dirk und Tom zu Gast.
Wir stellten fest, dass vielen Bewohner Winzerlas die neu gestalteten Orte an der Wasserachse sowie der Zugang an der Haltestelle Damaschkeweg besonders gut gefallen. Außerdem wurde von vielen die Nähe zur Natur und das Grün als besondere Qualität des Stadtteils genannt. Viele Bewohner empfinden den Stadtteil als sehr ruhig. Dies wird einerseits positiv gesehen, andererseits fehlen vielen Bewohnern aber auch Aufenthaltsbereiche und Orte der Begegnung wie zum Beispiel ein Stadtteilzentrum, ein Café oder ein toller Spielplatz oder Park.
Über ein Modell des Stadtteils, in dem wir mit Fäden die häufig genutzten Wege der Bewohner registriert haben, wurde deutlich, dass einige schlecht ausgebaute und nicht barrierefreie Nebenwege und Trampelpfade von besonders vielen Bewohnern genutzt werden. Viele ältere Fußwege sind in einem schlechten Zustand. Bordsteinabsenkungen, Handläufe und Rampen fehlen. Das ist nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für Familien mit Kinderwagen, Menschen mit Behinderung und Radfahrer ein Problem. Abends und nachts sind einige Straßen und auch Fußwegeverbindungen nicht ausreichend beleuchtet.
Viele Bewohner haben als negativen Aspekt die zum Teil schwierige Parkplatzsituation im Stadtteil und die regelmäßige Missachtung von Verkehrsregeln genannt. Die Orientierung zu den Hauseingängen, aber auch über die den Stadtteil durchquerenden Fußwege ist zum Teil schwierig und besonders für Gäste ein Problem.
Auch die Grünverbindungen und Höfe zwischen den Gebäuden sind nur zum Teil ansprechend gestaltet. Hier besteht ein großes Potenzial zur Aufwertung. Es wurden einige konkrete Orte mit großem Potenzial zur zukünftigen Entwicklung identifiziert.
Diese und viele weitere Ergebnisse haben wir aufgenommen und beim Safarifest zum Abschluss der Woche präsentiert. Wir werden sie im weiteren Planungsprozess ergänzen, diskutieren und für die wichtigsten Bereiche Lösungsansätze finden. In diesem Jahr werden noch zwei weitere Bürger- Planungswerkstätten durchgeführt. Ziel für das Ende des Jahres ist ein gemeinsam erarbeiteter Rahmenplan für die zukünftige Entwicklung von Winzerla-Nord.
Sie sind herzlich eingeladen an diesem Prozess aktiv mitzuwirken! Auf der nächsten Sitzung der Bürgerplanungsgruppe am 14. Juni um 17 Uhr in der Schillerschule werden wir die Ergebnisse der Safari genauer vorstellen und mit Ihnen diskutieren. Dazu sind Sie herzlich eingeladen!
Vom 22. bis 25. August werden wir wieder unser Zelt im Quartier aufschlagen und unter dem Motto „Die Kunst der Neuentdeckung“ in verschiedenen Kunstworkshops gemeinsam einen neuen Blick auf den Stadtteil werfen.