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Erweiterung der Linie 12 in Winzerla wird von Diskutanten mehrheitlich abgelehnt

Jena Winzerla. Wer ist „die Mehrheit“? Hier bezieht sie sich auf die bei uns im Stadtteilbüro mündlich und schriftlich geäußerten Meinungen. Bei uns gingen etwas über 20 Bürgermeinungen ein. Zu allererst sei allen, die sich konstruktiv an der Diskussion beteiligt haben, gedankt. Ich hatte Sie in der Juni-Ausgabe der Stadtteilzeitung gebeten, Stellung zum Ausbau der Streckenführung der Linie 12 entlang der „oberen“ B.-Brecht-Straße zu beziehen. Hintergrund ist die Überarbeitung des gesamten Nahverkehrsplanes der Stadt Jena. Und schließlich ist die Linie 12 ein Teil vom Netz.

Vorweg ein Vorschlag eines Bürgers, der vielleicht die ganze Diskussion gegenstandslos machen würde, außer den Bau einer Bushaltestelle. Geprüft werden sollte, ob der Bus in der Einmündung zur Straße bei der alten Gärtnerei (Ecke Oßmaritzer Straße/Hanns-Eisler-Straße) wenden könnte. So wäre das Künstlerquartier an den Nahverkehr bestens angebunden.

Und noch eine Bemerkung vorweg, ehe die Argumente vorgestellt werden. In der Diskussion macht sich nicht wie vielleicht erwartet eine Front Jung gegen Alt auf. Keineswegs! Gerade auch ältere Bürger, über 70 Jahre, sprechen sich gegen die Erweiterung aus.

Die Pro-Argumente

Ein Fünftel der Rückmeldungen sprechen sich für den Ausbau der Buslinie aus. „Zum Einkauf ist es jetzt eine ziemliche Plackerei, die Waren den steilen Berg hinauf nach Hause zu tragen. Die Busverbindung würde für viele Bewohner (ca. 1000 Personen) eine Erleichterung darstellen, zumal der größte Teil der Bewohner in diesem Wohngebiet im Rentenalter ist.“ argumentiert Gunter Klingbeil. Um der Stellplatz-Diskussion den Wind aus den Segeln zu nehmen, wird der Vorschlag eingebracht, dass die Parkplatzsituation entschärft werden würde, wenn das Parken für Anwohner ausgeschrieben wird. Beobachtet wird das Parken von Anhängern, LKW’s, Transportern oder Wohnmobilen, die die Stellfläche für berufstätige Bewohner mit Auto besetzen. Auch wurde der Vorschlag eingebracht, Parkplätze in Höhe der alten Gärtnerei, auf dem ehemaligen Sportplatz, der verwildert ist, einzurichten.

Die Contra-Argumente

Viele Argumente zielen auf den noch relativ verkehrsberuhigten und grünen Bereich der Strecke, der erhalten werden sollte. Nicht nur die grüne Lage, auch die Sicherheit der Kinder, deren Nachhauseweg vom Spielplatz (oberhalb der Garagenanlagen) in die Brecht-Straße führt, würde mit Einführung des Linienbusses, der dann im 30- bzw. 20-Minutentakt dort entlang fährt, bedroht.

Anja Winterstein formuliert es so: „Ich freue mich sehr, einen so ruhigen Wohnort zu haben und fühle mich sehr wohl. Ein noch größeres Anliegen ist mir jedoch die Sicherheit der Kinder. Aller Kinder dieses Stadtteils! Es gibt verkehrsberuhigte Bereiche bzw. Anliegerstraßen, welche sehr kinderfreundlich sind. Durch den Kindergarten, Schule und auch Arzt sind wir als Familie und auch die Kinder selbst, viel hier unterwegs und draußen. Ich bin mir sehr sicher, dass der Ausbau der Buslinie mehr „Unruhe“ in den naturnahen Bereich bringt.“ Familie Schack greift ebenfalls diesen Aspekt auf und schreibt: „Nicht jeder, der idyllisch im Grünen wohnt, kann erwarten, dass in Blocknähe auch noch der Bus hält.“

Andere finden die geforderte Erweiterung einfach absurd und übertrieben, stellen den Aufwand und Nutzen in Frage. Aus der Johannes-R.-Becher-Straße bekennen sich zwei ältere Menschen im Rentenalter als passionierte Fußgänger. „Wir beide versuchen so viel wie möglich zu Fuß zu gehen, um fit zu bleiben. Wir denken, dass die jetzigen Haltestellen der Linie 12 ausreichen.“, so Familie Hanke. Anderen Bürgern im Rentenalter fällt das „Laufen bergauf immer schwerer, beim täglichen Einkauf noch schwerer“, wie uns Familie Beuther geschrieben hat. Familie Hanke sieht dies gerade als Herausforderung und greift den wöchentlichen Einkauf auf. „Muss das sein? Kann man nicht auch öfter gehen und sich somit bewegen? Man muss dann auch nicht so viel tragen.” Auch einen Tipp haben sie noch parat: „Der beste Weg zur Gesundheit ist der Fußweg!“

Noch ein letztes Argument, die Mobilität. Bereits mit der Einführung der Linie 12 sind etliche Parkplätze in der Schrödingerstraße weggefallen. Demzufolge werden die umliegenden Straßen wie die Brecht-Straße bzw. die Pappelallee als Ausweichmöglichkeit genutzt. Durch die geforderte Streckenführung würden die Anwohner mit Auto „quasi zum zweiten Mal ‚bestraft‘ werden“ argumentiert Familie Schack. Weiter schreibt sie, „wo Mobilität arbeitsmäßig mehr denn je gefragt ist, fänden wir es ziemlich unverfroren, wenn erneut die Autofahrer für eine Bushaltestelle den Kürzeren ziehen würden.“ Klaus Gasse, Anwohner der Bertolt-Brecht-Straße, der aus eigener Erfahrung die Suche nach einem abendlichen Parkplatz kennt, formuliert es so: „Für die Berufstätigen bedeutet das letztendlich ein verschlechtertes Wohnumfeld.“ Gerade Schichtarbeiter, die sich ebenfalls bei uns gemeldet haben, sehen bereits die jetzige Parkplatzsituation kritisch.

Zusammenfassung

Vor allem ältere Bürger plädieren aufgrund des Alters und ihrer eingeschränkten Leistungsfähigkeit für die erweiterte Linienführung. Doch dies hätte auch seinen Preis. Der noch verkehrsberuhigte Naturbereich, den auch Kinder als Nachhausweg vom Spielen nutzen, würde verkehrstechnisch erschlossen werden. Und wenn die Linie 12 im 20-Minuten-Takt fahren sollte, dann würde das eine zusätzliche Lärmbelästigung für die Anwohner mit sich bringen. Weitere Gegenargumente sind neben dem Kostenargument, Ausbau und Installation einer Haltestelle, der Wegfall von Parkplätzen. Hier fühlen sich die Anwohner der B.-Brecht-Straße, berufstätige Familien, in ihrer Mobilität eingeschränkt.

Wie geht es nun weiter? Ihre Eingaben sowie den vorliegenden Text werden wir an den Teamleiter Michael Margull vom Fachdienst Verkehrsplanung und Flächen übergeben. Ich habe bereits mit ihm gesprochen und er wird diese Argumentationen berücksichtigen. Nach Sichtung der ganzen Eingaben in der Stadtverwaltung würde sich eine Bürgerversammlung zu diesem Thema anbieten. Sobald ich Näheres weiß, werde ich Sie informieren.

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