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Nein zu so viel Sachverstand

Jena Winzerla. Zwei Wochen vor dem Sommerfest erhielt ich einen Anruf von der Abteilung Flächenverwaltung. Es ging um die Standliste. Die Nummer 6, Slackline, das geht nicht, wurde mir gesagt. Hierbei handelt es sich um ein Band, das zwischen zwei Bäume gespannt wird und auf dem man balancieren kann. Begründung: Die Bäume sind zu klein und schwach dafür, obwohl ich betonte, dass es nur für Kinder sei. Nun gut, damit konnte ich noch leben.

Was mir danach offeriert wurde, das war dann nicht mehr so lustig. Die Nummer 31, Tretboote. Das geht auch nicht. Im ersten Moment dachte ich, man stößt sich am Begriff Tretboot und denkt sich so ein Eisenvehikel, dass das erhabene Stadtmöbel Flößerbrunnen ramponieren könnte. Weit gefehlt. Weil das Wasser im Brunnen kein Trinkwasser ist. Aha! Wenn Sie es also noch nicht wussten, das Brunnenwasser ist kein Trinkwasser, und auch kein Badewasser!

Aber sie werden sich fragen, wo liegt denn der Zusammenhang zwischen dem Tretbootfahren und dem Trinkwasser? Sie werden sich wundern. Sie als Eltern sind nämlich das eigentliche Problem! Wegen Ihnen müssen wir auf die Attraktion verzichten. In diesem Falle werden Sie nicht als gutmütige Bürger, sondern als potenzielle Kläger gesehen. Stellen Sie sich nur einmal vor, ihr Kind springt aus quälendem Durstgefühl, da es schon Stunden auf dem Flößerbrunnen im Kreis paddelt und von der Sonne ausgelaugt ist, einfach ins Wasser und würde zudem noch das gute Winzerlaer Quell konsumieren. Und stellen Sie sich weiter vor, ihr Kind bekommt am nächsten Tag Durchfall. Dann verklagen Sie natürlich die Stadt und das Wasser. So einfach ist das. Davor hat man Angst.

Vielleicht kennen Sie ja die Tretboote aus den letzten Jahren, da ging es dem Amt durch die Lappen, ein Highlight für die Kinder. Und dass wir jedes Angebot, wie auch dieses, betreuen und die Verantwortung übernehmen würden, interessiert keinen. Ein Anruf im Gesundheitsamt brachte zwar keine neuen Erkenntnisse, aber man hatte Verständnis und hätte es toleriert. Das letzte Wort hatte aber der Fachdienst Kommunale Ordnung, der auf Empfehlung der Flächenverwaltung (KSJ) handelte. Und das lautete Nein. Dann sage auch ich nein zu so viel Sachverstand. Und wussten Sie schon: Der Flößerbrunnen und die Wasserrinne sind nur zum Angucken gebaut worden.

Autor des Beitrages: Andreas Mehlich

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