Prioritäten im Straßenverkehr
Jena Winzerla. In den 1970er Jahren hieß das Motto der Stadtplanung „autogerechte Stadt“. Vorrang hatte der motorisierte Individualverkehr, sprich das Auto. Diesem wurde der absolute Vorrang gegeben. Der Rest, so zum Teil auch der ÖPNV, wurde unter die Erde verbannt. So auch die Fußgänger, die auf den Autostraßen nichts zu suchen hatten. Gequert wurde unterirdisch. Das war damals. Heute wird eine Verkehrspolitik verfolgt, die den Fußgänger als gleichwertigen Verkehrsteilnehmer neben dem Auto sieht.
Sie fragen sich vielleicht, was das mit Winzerla zu tun hat. Es geht um die Ampeldiskussion am Damaschkeweg, wo diese beiden (verkehrspolitischen) Ansichten aufeinander stoßen. Ein neues Selbstverständnis der Verkehrsplanung trifft auf ein (veraltetes) Selbstverständnis vieler Autofahrer, für die es gilt, ohne Schwierigkeiten durch die Stadt zu rollen. Schön wäre es, wenn diese Ampeldiskussion eine viel breitere Debatte auslösen würde, die letztendlich auch die Priorität des öffentlichen Nahverkehrs zur Diskussion stellt. Leider scheint es immer noch zu gelten, erst das Auto, dann der Bus, dann der Radfahrer und zu guter Letzt der Fußgänger. Da frage ich mich, was für ein Menschenbild steckt dahinter und welche Lobby gibt den Ton an. Die Rede ist von Mobilität. Was halten Sie von einem ticketfreien Nahverkehr? Klingt absurd, wer soll das bezahlen?! Nein, das wäre die falsche Frage. Hier müss(t)en generell die Prioritäten neu gesetzt werden. Die Gelder fließen hauptsächlich in den Straßenbau, um einen „sorgenfreien“ Autoverkehr zu gewährleisten. Stattdessen können die Gelder auch in den ÖPNV fließen und somit ihm den Vorrang im Straßenverkehr geben. Das würde eine ganz andere Qualität von Stadt zur Folge haben. Es ist an der Zeit umzudenken!