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Protest zeigte Wirkung - Ernst-Abbe-Gymnasium wird doch saniert

Jena Winzerla. Ernst-Abbe-Gymnasium
Jena Winzerla. Ernst-Abbe-Gymnasium

Jena Winzerla. Wenn am 27. Februar die Schule nach den Winterferien wieder beginnt, startet die Sanierung des Ernst-Abbe-Gymnasiums. Eine Steißgeburt: jahrelang wurde die Schule vertröstet, der Bau der fehlenden Aula versprochen, dann aber von Baumaßnahmen anderswo verdrängt. Die Thüringische Landeszeitung zitierte am 26. März 2011 den Schuldezernenten, dass „2013 der Bau ausgeführt werden kann.“. Daraus wurde zwar nichts, aber immerhin gab es 2013 ein Aufatmen, denn in den beschlossenen Plänen war endlich der Umbau des letzten noch unsanierten Gymnasiums enthalten.

In der Ortsteilrat-Sitzung vom 2. Oktober 2013 stellte Kommunale Immobilien Jena (KIJ) die Planung hierfür vor. Das Architektenbüro (Jung & Reich aus Weimar) stand ebenso fest wie die Investitionssumme (9,5 Millionen Euro). Neben den üblichen Grundrisszeichnungen enthielt die PowerPoint-Präsentationen von KIJ auch vielversprechende Skizzen der Schulgebäude nach Renovierung, die anwesende Kommunalpolitiker, Schüler, Eltern und Lehrer begeisterten.

Dann plötzlich der Abend im November nach den Herbstferien, an dem sich in Windeseile die Schreckensnachricht verbreitete: Oberbürgermeister Albrecht Schröter habe dem Direktor des Abbe-Gymnasiums Wolf-Dieter Ebert mitgeteilt, die Sanierung sei abgesagt. Sie müsse um mehrere Jahre, auf frühestens 2017, verschoben werden, da KIJ plötzlich entdeckt habe, dass es ihm an Geld und Personal fehle, um das Sanierungsprojekt zu stemmen.

Die Empörung war groß. Als am 4. November der „Schulnetzplan“-Ausschuss des Stadtrats tagte, brachten Elternvertreter aus dem Abbe-Gymnasium bereits ihren Protest vor. Ihre Argumente bündelten sie in einem „Offener Elternbrief zur Verschiebung der Sanierung des Ernst-Abbe-Gymnasiums“, veröffentlicht auch im Internet. Ortsteilbürgermeister Mario Schmauder, der auch dem Schulnetzplan-Ausschuss angehört, positionierte sich sofort gegen die beabsichtigte Verschiebung der Sanierung und kümmerte sich um Unterstützung für seine Position. Da traf es sich gut, dass schon länger für den 16. November ein Elternsprechtag geplant war. So konnten sich Eltern im Schulgebäude zur Lage informieren und untereinander abstimmen. Die Regionalpresse fotografierte Eltern und Schüler, die sich in Unterschriftslisten eintrugen, und fantasievolle Protestplakate, die an den Eingangstüren Widerstandswillen auch nach außen zeigten.

Wenige Tage später, an einem Dienstagmittag nach der Dienstberatung des Oberbürgermeisters, dann erneut eine Wendung: Der Aufschrei der Empörung wurde gehört – das Abbe-Gymnasium soll nun doch, wie ursprünglich geplant, ab Februar 2014 über mindestens zwei Jahre, saniert werden. Bereits tags drauf stand im Winzerlaer Ortsteilrat ein KIJ-Vertreter Rede und Antwort und schilderte, wie der kommunale Eigenbetrieb in das Dilemma geraten war – und wie es nun weitergehen soll. (Dass gemäß Verwaltungsgrenzen die Schule gar nicht zu Winzerla gehört, als Kuriosität nur nebenbei!) Direktor Ebert dankte für die breite Unterstützung. Eindringlich mahnte er zu bedenken, welchen Standortfaktor die Schule für den Stadtteil Winzerla, dessen im Image und Lebensqualität darstellt. Zugleich warnte er des bisherigen Hin und Her eingedenk, den Protest gegen die Sanierungsverschiebung zu früh zu beenden. An die neue Wendung könne man erst glauben, wenn diese amtlich beschlossen werde.

Diese Beschlussfassung ist inzwischen erfolgt. In den Winterferien 2014 zieht die Schule in ihr Ersatzquartier, die alte Goetheschule neben der vorbildlich sanierten Schiller-Schule. Die Umbau kann beginnen. Probebohrungen hatten ja schon vor dem überraschenden Stop-Dekret stattgefunden, und auch die Umzugskartons waren schon bestellt.

Autor: Günter Platzdasch (Orteilratsmitglied und Vater einer EAG-Schülerin)

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