Ralf Tänzer kandidiert erneut als Schiedsmann
Jena Winzerla. Ralf Tänzer, Schiedsmann für Jenas Süden, teilt sich das Büro an der Wasserachse mit Ortsteilbürgermeister Gebhardt. Seit 2009 ist Tänzer als Schiedsmann tätig und der 72-Jährige kandidiert für eine weitere fünfjährige Amtszeit. „Die Schiedsstelle ist faktisch eine Vorinstanz vor Rechtsmitteln“, sagt Ralf Tänzer. Kerngedanke sei, Konflikte durch Gespräche, durch Mediation, zu lösen. Meist sei es der Staatsanwalt, der nach einer Anzeige an eine Schiedsstelle verweist, so Tänzer. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Andreas Beyer bearbeitet der Schiedsmann vorrangig sogenannte Tür- und Angelfälle. Das sind Fälle, in denen es nicht zu einem Schiedsspruch kommt, weil sich die Konfliktparteien nach einem klärenden Gespräch einigen konnten. Was nach Bagatellen klingt, berge nicht selten erhebliches Konfliktpotenzial, sagt Ralf Tänzer. Oft gehe es um Nachbarschaftsstreitigkeiten, etwa um Wegebeziehungen zwischen Grundstücken. „Da werden zum Beispiel Abmachungen infrage gestellt, die seit vielen Jahren Bestand hatten.“ Manchmal hilft es schon, wenn sich die Streitenden wieder gemeinsam an einen Tisch setzen. „Ich gebe zunächst mal beiden Parteien das Gefühl, im Recht zu sein.“ Sollte es in einem Streitfall keinen Vergleich geben, bleibt den Parteien der Weg vor Gericht.
Ralf Tänzer, gebürtiger Jenenser, lebte bis 1990 in Frankfurt. Er kam – ursprünglich für ein halbes Jahr – als Bevollmächtigter der IG Metall nach Thüringen. Die Kämpfe um den Fortbestand des Zeiss-Standorts Jena hat er mit ausgefochten: Tänzers Wort hat Gewicht. Als Schiedsmann müsse er zuhören können und eine gewisse Autorität ausstrahlen, sagt er. Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl seien wichtiger als juristische Kenntnisse. Nützlich sei natürlich, sich im Zivilrecht etwas auszukennen. Entsprechende Fortbildungen werden von der Stadt angeboten.